Abschied nach vielen Jahren – persönlich

Im Sommer 2000, als mein erstes Kind an die St. Marien-Schule kam, konnte ich nicht ahnen, was mit diesem Schritt begann. Aus „ich begleite mein Kind durch die Grundschulzeit“ wurde nach und nach eine lange, intensive und erfüllende Reise – gemeinsam mit den unterschiedlichsten Kindern, Lehrkräften und Eltern. Eine Reise, die mich nicht nur an die Schule gebunden hat, sondern auch an ein Thema, das mich bis heute begeistert: Schule und Lernen im digitalen Raum sinnvoll, sicher und menschlich zu gestalten.

Mein Engagement begann in der Elternarbeit. Ich habe mich als Klassenpflegschaftsvorsitzende eingebracht und später als Schulpflegschaftsvorsitzende Verantwortung übernommen. Es waren Jahre voller Gespräche, gemeinsamer Entscheidungen, manchmal auch anstrengender Abstimmungen – aber vor allem Jahre, in denen ich erleben durfte, wie viel möglich ist, wenn Menschen zusammenarbeiten und das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht.

Relativ früh kam ein weiteres Herzensprojekt hinzu: der Aufbau und die Pflege der Schul-Homepage. Damals war das für eine Grundschule noch längst nicht selbstverständlich. Für mich war es mehr als „nur“ Technik und Aktualisierung von Seiten. Es ging darum, das sichtbar zu machen, was Schule ausmacht: die vielen kleinen und großen Momente, Projekte, Feste, Lernerfolge – und eine verlässliche Informationsquelle für Eltern. Über die Jahre wurden Texte geschrieben, Fotos sortiert, Termine gepflegt, Inhalte überarbeitet, Strukturen neu gedacht. Die Homepage war für mich immer auch eine Art digitales Schaufenster: ein Ort, an dem man spüren soll, wie lebendig Schule ist.

Mit der Homepage kam automatisch die Frage: Wie nutzen wir neue Medien so, dass sie Kindern wirklich helfen?

So habe ich das Kollegium beim Einsatz neuer Medien unterstützt und schon damals mit kleinen Schülergruppen gearbeitet.

Frau Benger (die damalige Rektorin) gab mir die Möglichkeit, mich in diesem damals in Grundschulen noch „unerforschtem“ Gebiet zu erproben. Ich danke ihr speziell für das Vertrauen, das sie zu Beginn der Reise in mich setzte.

Gerade die Arbeit mit Kindern – ihr Staunen, ihre Fragen, ihre schnellen Fortschritte, aber auch ihre Unsicherheiten – hat in mir etwas angestoßen: Ich wollte nicht nur „mitmachen“, ich wollte verstehen, lernen, fundiert begleiten können. Die Freude an der Zusammenarbeit mit Schüler:innen, Lehrkräften und Eltern hat mein Interesse geweckt, das Thema auf professionelle Füße zu stellen.

Deshalb habe ich mich in zahlreichen Veranstaltungen fortgebildet. Ein wichtiger Meilenstein war für mich das Jahr 2009, in dem mir das Zertifikat INTERNET‑MEDIEN‑COACH© verliehen wurde. Rückblickend war das nicht einfach ein Titel, sondern eine Bestätigung: Ja, es lohnt sich, dranzubleiben – und es braucht Menschen, die sich dafür einsetzen, dass Kinder im Netz nicht nur „irgendwie zurechtkommen“, sondern kompetent, sicher und reflektiert ihren Weg gehen.

Seit 2007 bin ich deshalb auch nicht mehr rein ehrenamtlich tätig. Ich arbeite mit Gruppen in Schulen – im Unterricht ebenso wie im Offenen Ganztag. Mein besonderes Anliegen ist es, Schüler:innen eine Grundlage an Medienkompetenz zu vermitteln, die ihnen Orientierung gibt: Wie gehe ich respektvoll miteinander um? Woran erkenne ich verlässliche Informationen? Wie schütze ich mich und andere? Was bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen – auch digital? Mir ist wichtig, dass Kinder mit einem sicheren Schritt in die Zukunft gehen, nicht ängstlich, aber wachsam und selbstbewusst.

Genauso wichtig ist mir aber auch, Eltern und Lehrkräfte zu stärken. Denn Kinder sind nicht allein im Netz – und sie sollten es auch nicht sein. Wenn Erwachsene sich sicherer fühlen, Fragen stellen dürfen und ein gemeinsames Verständnis entwickeln, profitieren am Ende alle: die Kinder zuerst.

Ein weiterer großer Baustein meiner Arbeit waren über die Jahre viele europäische Projekte, die ich gemeinsam mit vielen Lehrkräften und noch mehr Schüler:innen durchführen durfte. Sie haben gezeigt, wie verbindend Lernen sein kann – über Ländergrenzen hinweg, über Sprachen hinweg und über unterschiedliche Schulrealitäten. Dass wir für diese Arbeit immer wieder Auszeichnungen erhalten haben, war eine wunderbare Anerkennung. Besonders stolz bin ich dabei nicht nur auf den europäischen eTwinning‑Preis 2020, sondern auch auf die zahlreichen deutschen eTwinning‑Preise, die unsere Projekte im Laufe der Jahre erhalten haben. Hinter jeder Auszeichnung stehen für mich vor allem Teamarbeit, Kreativität und echte Begegnungen – und genau das macht diese Projekte so wertvoll.

Und nun ist es Zeit, mich zu verabschieden – von einem Kapitel, das mich sehr geprägt hat. Ich gehe mit großer Dankbarkeit: für das Vertrauen, für jede Unterstützung, für offene Türen, für gemeinsames Anpacken, für Humor in stressigen Momenten, für das Gefühl, Teil einer Schulgemeinschaft gewesen zu sein. Vor allem danke ich den Kindern: Sie waren immer der wichtigste Grund, weiterzumachen, weiterzudenken und nicht stehenzubleiben.

Ich wünsche der St. Marien-Schule von Herzen, dass sie sich diese Neugier bewahrt, dass sie weiterhin mutig neue Wege geht – digital und analog – und dass dabei immer das im Mittelpunkt bleibt, was Schule ausmacht: Beziehung, Lernen, Sicherheit und ein gutes Miteinander.

Danke für die gemeinsame Zeit.  Bärbel Klaaßen